„Ein bisschen das Gefühl vom Fliegen“

Luka Herden hat Samstag bei der B&S Kurfpalz Gala in Weinheim seine Bestleistung auf starke 7,61 Meter gesteigert. Damit hakte er die U20-Weltmeisterschaftsnorm (Tampere/Finnland, 10. bis 15. Juli) ab, gewann den Wettkampf, setzte sich an die Spitze der Deutschen U20-Jahresbestenliste und auf den vierten Platz der aktuellen europäischen U20-Bestenliste. Und an die Tradition wurde auch gedacht: Der Abiturient holte den U20- und Männerkreisrekord nach einjähriger Übergangsphase, in der dieser von Björn-Ole Klehn gehalten (7,58 Meter/13.05.2017 in Herborn) worden war, in die Familie zurück. Im Interview spricht er über den Wettkampf, was ihm die LG Brillux bedeutet und über das Beste am Weitsprung.

 

Luka, zunächst herzlichen Glückwunsch zu Deiner tollen Leistung. Wie hast Du den Wettkampf in Weinheim und Deinen 7,61-Meter-Sprung erlebt?
„Ziemlich gut. Ich hatte vom Aufwärmen bis zum letzten Sprung ein sehr gutes Gefühl für die einzelnen Sprünge und konnte gut auf Lars‘ Anweisungen reagieren. Der erste Sprung war – wenn auch leider ungültig – technisch am schönsten. Bei den anderen Sprüngen haben wir nachher in der Videoanalyse noch Verbesserungsmöglichkeiten gesehen. Trotzdem bin ich extrem zufrieden und glücklich, da mein Hauptziel für diese Saison ist, die Region um 7,50 Meter konstant springen zu können. Genau das habe ich glaube ich gezeigt. Die Bedingungen waren super, ich springe sehr gern bei hohen Temperaturen. Und die Unterstützung durch mein Trainingsgruppe war super.“

Wie hat denn Dein Trainer, Lars Goldbeck, reagiert?
„Natürlich hat er sich auch gefreut, dass ich die Norm gesprungen bin. Aber er sieht wie ich auch das Potential in dem letzten Sprung, der technisch noch nicht das Gelbe vom Ei war. Er hat allerdings sogar gesagt, dass er eigentlich gar nicht gewollt hätte, dass ich so weit springe, damit für mich auch im kommenden Jahr nicht so ein Druck entsteht. Da weiß ich aber nicht, wie ernst er das gemeint hat. Insgesamt ist Lars mit den Ergebnissen der gesamten Trainingsgruppe mehr als zufrieden und freut sich auf die weitere Wettkampfsaison.“

Du steckst doch aktuell im Abitur – hat das für Dich die Vorbereitung erschwert?
„Ja genau, ich mache gerade mein Abitur und habe morgen die letzte Prüfung. Eingeschränkt hat es mich eher wenig. Natürlich musste ich viel lernen, aber dafür müssen wir ja auch nicht mehr in die Schule gehen, sodass ich viel Zeit zum Lernen habe und das Training eine sehr willkommene Auszeit davon darstellt. Insgesamt musste ich zwar einige Einheiten abkürzen oder gänzlich ausfallen lassen, aber ich denke, das war tragbar (lacht).“

Was bedeutet es Dir, den Kreisrekord wieder zurück in die Familie geholt  zu haben?
„Joa, schwere Frage. Es ist irgendwie schon witzig, dass der Rekord jetzt wieder in unserer Familie ist und es war auch schon immer mein Ziel, das zu erreichen. Aber wenn ich ehrlich bin, ist mir der Gedanke um den Rekord, bis darüber berichtet wurde, gar nicht durch den Kopf gegangen. Ich möchte jetzt einfach weiterarbeiten und mir ist das Springen bei Wettkämpfen auf hohem Niveau einfach wichtiger als ein Rekord.“

Weißt Du schon, wie es für Dich nach dem Abitur weitergeht?
„Das steht auch alles noch nicht ganz so fest. Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf das Abitur. Für die Zeit danach habe ich schon einige Pläne im Kopf, aber ob es so auch kommt oder anders, kann ich jetzt noch nicht sicher sagen.“

Die LG Brillux ist ein Verein, wo sowohl der Nachwuchs wie auch der Leistungssport eine große Rolle spielt. Du selbst kommst aus dem LG Nachwuchs. Was bedeutet Dir das?
„Natürlich verbindet das mit dem Verein, dass ich seit ich sechs bin – also seit zwölf Jahren – bei der LG trainiere. Über mein Training im Grundverein früher (TuS Hiltrup) bin ich in die Leistungsgruppe Sprint/Sprung von Lars Goldbeck gekommen. Ich finde es sehr schön zu sehen, dass die Talente der jungen Sportler so gefördert werden. Und ich hoffe, dass ich vielleicht auch selbst als ein kleines Vorbild für jüngere Athleten diene, bei diesem Sport zu bleiben und Erfolge zu feiern.“

Du hast zwischendurch auch immer wieder mal kleine Verletzungssorgen, was sind Deine Tipps zur Regeneration?
„Ich muss leider zugeben, dass ich wirklich sehr oft irgendwo ein paar kleinere Probleme habe oder manchmal sogar sehr schwerwiegende.  Spezielle Tipps habe ich nicht, ich bin oft in physiotherapeutischer Behandlung beim physio.werk. Ich profitiere sehr von den regelmäßigen Behandlungen bei Pete (Anm.: Andreas Peters). Manchmal ist auch Kai Krautwig (Physiotherapeut/Therapiezentrum am Bült) beim Training für uns da und ab und zu bin ich bei Peter Müller am St. Josef-Stift in Sendenhorst. Dadurch habe ich die Probleme bis jetzt immer in den Griff bekommen und konnte weitertrainieren. Und wenn es gar nicht geht, muss man eben auch Mal ein bisschen Pause machen.“

Wie geht es jetzt für Dich in der Saison weiter?
„Nächstes Wochenende ist schon der Qualifikationswettkampf in Regensburg, wo ich gerne starten würde. Ich mag das Stadion und die Veranstaltung sehr gerne und es ist eben ein Qualiwettkampf. Leider habe ich mir am Wochenende nach dem Wettkampf einen Infekt eingefangen und muss nun abworten, ob dieser wie geplant innerhalb der nächsten Tage abheilt. Ansonsten ist noch der Nominierungswettkampf in Mannheim, wenn ich nominiert werde, die U20-Weltmeisterschaft und die Deutschen Meisterschaften als Saisonhöhepunkt.“

Was ist Deiner Meinung nach das Beste am Weitsprung?
„Schon wieder eine schwere Frage. Ich würde sagen, dass einerseits natürlich auch der Erfolg eine Rolle spielt. Auf der anderen Seite verbindet der Weitsprung aber viele Elemente: Sprinttraining ist wichtig, da die Geschwindigkeit stark zu einer guten Weite beiträgt. Man kann in dieser Disziplin auf viele verschiedene Arten an zahlreichen technischen Feinheiten arbeiten, die es einem dann ermöglichen, weiter zu springen. Und wenn man einen Sprung mal wirklich gut trifft und richtig abhebt, dann hab ich in meiner eigenen Wahrnehmung unglaublich viel Zeit in der Luft und man hat so ein bisschen das Gefühl vom Fliegen. Auch wenn das jetzt vielleicht kitschig klingt.“

 

Vielen Dank für Deine Antworten. Wir wünschen Dir alles Gute für die weitere Saison und drücken Dir für die Nominierung die Daumen.

 
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